Anita, Hann, Onde beruht auf Zusammenhalt, auf vielen Freundschaften, darauf, sich regelmäßig zu sehen. Viele von uns haben sich seit Dezember 2019 nicht mehr persönlich getroffen. Wie kann ein Verein unter diesen Voraussetzungen funktionieren?

Hann Holze: Dadurch, dass wir alle schon gut miteinander befreundet sind, ist es auch in Ordnung, wenn wir das eine Zeit lang auf andere Art und Weise lösen. Es ist ja nicht so, dass wir keinen Kontakt gehabt hätten. Wir haben uns nicht Mensch zu Mensch gesehen. Wobei auch das nicht auf alle Mitglieder*innen zutrifft: Gerade hier in Passau, wo unsere größte Ortsgruppe sitzt, habe ich durchaus viele Ondianer*innen getroffen. Und ich weiß auch, dass sich Mitglieder*innen beispielsweise in München zwischenzeitlich privat gesehen haben. Darüber hinaus haben wir viel online zusammengearbeitet – und bei unseren Events viel Zeit zusammen verbracht, in der eben nicht nur gearbeitet wurde. Ich glaube, so kann eine bestehende Freundschaft auch einfach weiter bestehen.

Anita Schnierle: Ich glaube, es ist auch ein großer Vorteil, dass wir mit der Technologie so weit sind, dass wir viel mithilfe des Internets vernetzt sein können, dass wir uns über Tools wie Discord oder Jitsi bei Veranstaltungen auch sehen können. Vor zehn Jahren wäre das, glaube ich, schwieriger gewesen, auch wenn wir von Onde damals das Internet bereits zum regelmäßigen Austausch genutzt haben.

Du sprichst es an: Tatsächlich arbeitet Onde schon lange mit Webtechnologien. Seit Sommer 2010 schalten wir uns digital zu regelmäßigen Updates zusammen. Ist das für uns in der Corona-Pandemie ein Vorteil?

Anita: Definitiv. Ich kenne es nur so, dass wir uns alle zwei Wochen – früher alle vier Wochen – digital hören. Vereine, deren Zusammenarbeit stark auf wöchentlichen oder monatlichen Treffen vor Ort beruht, tun sich in der aktuellen Situation wohl schwerer. Wir sind auch dank der Arbeit unserer Vorgänger*innen mit ganz anderen Voraussetzungen in das Jahr 2020 gegangen.

Hann: Im Prinzip haben wir am Anfang weitergemacht wie gehabt. Wir haben natürlich auf unsere Veranstaltungen geblickt und überlegt, ob wir sie verschieben oder ausfallen lassen. An und für sich ist bei Onde aber alles gefühlt so weiter gelaufen wie gehabt. Das Einzige, was sich sehr stark geändert hat, ist die Arbeit der Hochschulgruppe in Passau. Als starkes Rückgrat dient sie dazu, dass neue Leute uns und Onde kennenlernen. Das ist gewissermaßen weggefallen, was aber auch damit zusammenhängt, dass speziell das Sommersemester für viele Studierende in Passau so ganz anders verlief.

In 2020 haben nun bereits drei von vier Hauptveranstaltungen unseres Vereins rein digital stattgefunden. Jene Events also, bei denen sich alle immer auf ein Wiedersehen freuen. Was macht das rein Digitale mit einem Verein wie Onde? Wie habt ihr das rückblickend erlebt?

Hann: Dadurch, dass wir viel digitales Arbeiten gewohnt sind, hat das mit uns direkt nichts gemacht. Alle waren eben ein bisschen traurig und fanden es schade, dass wir uns nicht persönlich wiedersehen und die Abende miteinander verbringen können. Uns ist auch noch einmal klar geworden, was das Schöne an unserem Verein ist: Bei unseren Treffen geht es nicht nur allein um den Inhalt, sondern auch um das soziale Miteinander. Das haben wir bei den Online-Veranstaltungen zwar ein bisschen hingekriegt, aber bei weitem nicht so gut wie vor Ort. Daher haben wir uns auch für unsere nächste Veranstaltung vorgenommen, genau über dieses Thema zu sprechen: Wie können wir das soziale Miteinander digital abbilden, sodass wir uns damit ähnlich wohlfühlen wie bei einer Veranstaltung vor Ort?

Anita: Ich glaube, was beim Miteinander vor allem fehlt, ist eine Einbindung von Neumitglieder*innen. Wenn Leute persönlich zu Veranstaltungen kamen, war direkt eine persönliche Beziehung da, die vielleicht eher dazu geführt hat, dass man wieder kommt. Wobei wir insbesondere bei den vergangenen beiden Veranstaltungen Leute dabei hatten, die inzwischen aktiv bei uns dabei sind oder noch aktiver werden wollen.

Wenn ihr zurückdenkt ans Frühjahr, an unser erstes Redaktionswochenende, das wir rein digital abgehalten haben: Wie waren eure Erwartungen vor der ersten Digital-Veranstaltung und wie gut hat es letztlich funktioniert?

Anita: Wir hatten großen Respekt davor und ein bisschen Bedenken, wie es mit der Mitarbeit, mit dem Austausch funktioniert. Wenn viele Menschen dabei sind, muss man schauen, dass nicht immer nur dieselben sprechen, dass man sich ein bisschen abwechselt. Wir waren uns am Anfang etwas unsicher, wie gut das funktioniert. Aber im Nachhinein waren wir zufrieden: Die Teilnehmer*innen haben gut mitgemacht. Wir haben geschaut, dass wir ein paar neue Sachen mit einbinden, neue Tools etwa. Das kam gut an.

Hann: Das denke ich auch. Ich hatte vorher Bedenken, da wir so etwas noch nicht gemacht hatten: Wie gehen wir so etwas an? Wie muss man eine solche Verstaltung moderieren? Im Nachgang war ich, insbesondere beim Redaktionswochenende, überrascht, wie viel Arbeit wir weggeschafft haben. Das lag auch ein bisschen daran, dass die Vorbereitung gut lief, dass wir viele Artikel hatten, mit denen wir arbeiten konnten. Vielleicht lag es aber auch ein wenig daran, dass sich alle auf die Arbeit konzentriert haben, weil der soziale Teil ein wenig weggefallen ist. Das ist natürlich einerseits schade, für den Arbeitsaspekt aber top. (lacht) Ich klinge schon wie ein Manager. (lacht)

Wie wird Onde künftig, wenn die Corona-Zeit irgendwann einmal vorbei ist, mit Digital-Events umgehen?

Hann: Wir haben überlegt, dass wir gerne ein bisschen was an digitalen Events dazu nehmen würden, um mehr Leuten die Chance zu geben teilzunehmen. Es ist einfacher teilzunehmen, wenn man dafür nicht sechs Stunden nach Passau oder nach Bonn fahren und sich das komplette Wochenende freihalten muss. Es ist einfacher, sich zuhause sechs Stunden vor den PC zu setzen und dabei zu sein – auch wenn es nicht ganz so viel Spaß macht wie wenn alle in einem Raum sind. Und wenn ich keine sechs Stunden habe, dann bin ich vielleicht nur drei Stunden dabei. Diese Möglichkeit sollten wir uns auch künftig offenhalten beziehungsweise die Idee mitnehmen, dass wir zusätzlich zu unseren festen Präsenzveranstaltungen vielleicht ein paar Online-Veranstaltungen machen. Wir haben auch viel über Hybrid-Veranstaltungen nachgedacht – ein Teil online, ein Teil vor Ort -, sind da aber noch zu keinem vernünftigen Konzept gekommen.

Also würdet ihr, auch wenn uns Corona die Digital-Veranstaltungen gewissermaßen aufgezwungen hat, sagen, dass wir aus diesen dennoch neue Erkenntnisse mitnehmen konnten?

Anita: Ja. Wir haben bereits bei unserem Strategiewochenende im Sommer im Team darüber geredet, ob wir uns noch zusätzliche Online-Veranstaltungen vorstellen können. Die Resonanz war positiv. Gerne auch nur mal einen Tag statt der üblichen zwei, sodass mehr Ondianer*innen über die volle Dauer teilnehmen können und wir uns zumindest online sehen, wenn die nächste größere Veranstaltung wieder etwas weiter entfernt ist.

Nun steht am ersten Dezember-Wochenende eine weitere digitale Veranstaltung an. Was ist das für eine Veranstaltung und worum geht es?

Hann: Das ist unsere Bundestagung, unsere jährliche Mitgliederversammlung. Sie besteht gewissermaßen aus zwei Teilen: zum einen aus Workshops, zum anderen aus vereinsinternen Prozessen wie unseren Wahlen. Wegen der Ausnahmeregelung dürfen wir diese dieses Jahr zum Glück digital abhalten. Dieses Mal möchten wir uns im ersten Teil mit der Frage auseinandersetzen, wie wir das Onde-Gefühl digital vermitteln können. Was müssen wir noch mehr tun, damit wir nicht nur mehr Output haben bei Online-Veranstaltungen, sondern damit auch alle richtig fröhlich herausgehen wie wir das von Präsenzveranstaltungen kennen? Dass die Teilnehmer*innen denken: „Das war super, wir sind ein toller Verein, da erzähle ich in den nächsten zehn Jahren noch von“?

Letzte Frage: Wie sehr freut ihr euch auf einer Skala von 1 bis 10 auf die nächste Veranstaltung, bei der wir uns wieder persönlich sehen können?

Anita: 10. (lacht)

Hann: 10. Welch Frage.

 

Hann Holze und Anita Schnierle sind seit Dezember 2019 Vorsitzender beziehungsweise Geschäftsführerin von Onde. Die Fragen stellte Niklas Molter. Weitere Informationen zu uns und unseren Mitglieder*innen findet ihr hier.

2 Kommentare

  1. Toll! Ich freue mich, dass dieses Jahr alles trotz Corona geklappt hat. Allerdings sehr schade, dass in der Passauer Ortsgruppe nichts stattfinden konnte und die größeren Events nicht stattfinden konnten. Außerdem sehr schade, dss wir uns im Dezember nicht sehen können. Aber ich freue mich sehr, alle online wiederzusehen und die Neuen kennenzulernen!

    • Schönes Interview & Zusammenfassung des Jahres. Ich freue mich schon sehr (mind. ne 15) auf unsere nächste persönliche Veranstaltung!

      @Claudi: Das stimmt nicht ganz, in der Ortsgruppe gab’s online Spieleabende und nächste Woche ist die Ortsgruppe beim Online-HSG-Infonachmittag mit vertreten! 🙂 Wenn Du magst, kann ich Dir Informationen zukommen lassen – und so vielleicht das alte Ortsgruppengefühl wieder einwenig aufleben lassen. (Auch wenn natürlich nichts an den Spaß von „früher“ rankommt)


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