Special: Weininsel Sardinien (Merum, Heft 03/2011)

Der Mirto: Sardischer Nationallikör


Es gibt wohl kaum eine sardische Familie, die den beliebten Likör nicht für den Eigenkonsum nach einem traditionellen, von der Großmutter überlieferten Rezept herstellt. Auf Familienfesten, wenn Besuch kommt oder als Verdauungsschnaps – die Sarden finden immer eine Gelegenheit, um ein Gläschen davon zu offerieren.Basis für den Mirto sind die blauschwarzen, etwa johannisbeergroßen Früchte der Myrte (Myrtus communis), die im Mittelmeergebiet beheimatet ist. Gelesen werden die wildwachsenden, reifen Beeren von Hand zwischen Ende November und Anfang Januar und kommen nach dem Waschen für rund 40 Tage in Alkohol. Diese Infusion wird anschließend filtriert, erst dann wird eine Wasser-Zucker-Lösung hinzugegeben, und je nach Dosierung erhält man einen mehr oder weniger süßen Likör. Außer den Beeren, Alkohol und Zucker bedarf es keiner weiteren Zutaten. Aufgrund des hohen Tanningehaltes der Beeren muss bei der Extraktion besondere Sorgfalt angewandt werden.

Erscheint die Herstellung auf den ersten Blick sehr simpel, gibt es doch große Qualitätsunterschiede. Der nach wilder Macchia duftende, süße Mirto gilt als das Nationalgetränk der Insel, ist aber mittlerweile auch nördlich der Alpen hier und dort erhältlich. Die bekanntesten Produzenten sind Zedda Piras, Silvio Carta und Bresca Dorada, seit einigen Jahren fassen auch junge Betriebe wie Lucrezio R.  im deutschsprachigen Raum Fuß.

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