Special: Weininsel Sardinien (Merum, Heft 03/2011)

"Ich möcsardinienvier%281%29.jpeghte zu Rita!"

 Seit unserer Sardinienreise plagt uns die Sehnsucht nach Rita. Nach ihr, der wilden Gallura, dem frischen Fisch von Oristano, dem süß-würzigen Geruch der Macchia und der Vernaccia-Keller, den kernigen, warmen Menschen…


Signorina Rita, 75-jährige Patronin des Restaurants Gallura in Olbia, orchestrierte für unsere Reise ein unvergessliches Crescendo zum Abschluss. Das stolze, Noblesse ausstrahlende, kleine Fräulein – sie legt ultimativen Wert auf diese Anrede – machte unser Sardinien-Erlebnis perfekt. Weder kannten wir Rita zuvor, noch hatten wir je ihr Lokal besucht, und doch fühlten wir uns bei ihr nach wenigen Minuten wohl wie selten.

Frischen Fisch kann jeder. Auf Sardinien sowieso. Aber den Gast zu spüren, ohne ihn zu bedrängen, zu wissen, was er möchte, ohne ihn zu fragen, auf ihn einzugehen, ohne sich anzudienen, ihn zu führen, ohne aufdringlich zu sein, ihn in seine Küche verliebt zu machen, ohne seinen professionellen Stolz zu opfern, aufzuhören, wann genug ist, ohne viel Gerede, ohne Menükarte, das beherrschen nur wenige, und Rita ist darin eine Meisterin.

Einen Brut von Ferrari wollten wir trinken zum Abschluss der Reise – ein Vermentino di Gallura wurde daraus. Rita bat uns, vor dem Schaumwein aus Trento den lokalen Weißwein zu probieren und ließ für uns eine Flasche öffnen. Wir taten ihr den Gefallen. Und blieben beim Vermentino, dankbar für ihren Rat. Auf der Rechnung suchten wir den Wein dann vergeblich.

So viel Schönes gäbs zu berichten von unseren Sardinien-Tagen… Wir versuchen, die wichtigsten Eindrücke festzuhalten. Aber wissen Sie was, liebe Leser, am besten, Sie fahren selbst mal hin. Selbst wenn Sie auch nur halb so begeistert wie wir von ihrem Urlaub zurückkehren, hat es sich mehr als gelohnt.

Gallura: Granit, Macchia und Vermentino
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Tage bevor wir Rita kennengelernt haben, durchstreiften wir die Gallura. Die wilde, grüne, immer wieder von grauen, von Wind und Wetter gerundeten Granitfelsen und zerklüfteten Bergen unterbrochene Landschaft, bildet die Nordspitze Sardiniens, genau gegenüber von Korsika.

In der duftenden, von Thymian, Currykraut, wilder Pistazie, Lorbeer, Melisse, Zistrose, Rosmarin, Erdbeerbaum, Myrte, Wacholder, Ginster, Zwergpalmen und Korkeichen besiedelten Mittelmeermacchia liegen verstreute, nie sehr große Vermentino-Parzellen. Die Gallura ist topographisch zu temperamentvoll, um Monokulturen zuzulassen.

Die Winzer müssen mit dem vorliebnehmen, was ihnen die Landschaft an zusammenhängenden Flächen überlässt. Dino Addis (Cantina Gallura): „Immer wieder kommen Weinunternehmer vom italienischen Festland zu mir, weil sie in der Gallura in die Vermentino-Produktion einsteigen wollen. Sie benötigen große, zusammenhängende Flächen. Doch die gibt es hier nicht. Die Gallura ist für die Weinproduktion im industriellen Stil ungeeignet. Die Parzellen sind klein, die Böden mager und schwer zu bearbeiten. Deshalb ist die Gallura für diese Leute nicht attraktiv.”

Vielleicht sind es diese harzig-süßen Düfte der sommerlichen Macchia, die sich auf den Weißwein übertragen. Denn nirgends riecht und schmeckt der Vermentino so intensiv wie hier in der Gallura: nach Harz, reifer Ananas und Walderdbeeren… Nicht nur unter dem Einfluss vielfältiger Aromen befinden sich die Weinberge, die Nähe zu Meer und Bergen sorgt für häufige Winde und erstaunliche Temperaturunterschiede. Die Böden sind steinig und arm an Nährstoffen und liegen relativ hoch. Zur geeigneten Höhenlage meint Gianni Sanna (Cantina del Vermentino): „Die ideale Lage für den Vermentino di Gallura liegt bei rund 250 Metern über dem Meeresspiegel. Monti liegt genau auf dieser Höhe. Doch auch die Weinberge in der Nähe des Meeres ergeben interessante Weine, sie weisen eine besondere Salzigkeit auf. Das Geheimnis des Vermentino di Gallura liegt jedoch in unserem besonderen Inselklima und den Granitböden.“

Mehr zum Vermentino erfahrt ihr in den nächsten Tagen bei uns auf der Homepage http://www.onde.de oder der Seite des Merum Verlags http://www.merum.info/ .